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Die Eisheiligen

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Schon vor Wochen, als uns der März mit beinahe sommerlichen Temperaturen beglückte, sah man die ersten Gartenbesitzer wie wild Gemüse pflanzen. Die wöchentlichen Werbeblättchen verschiedener Discounter, Baumärkte und auch die von Gartencentern waren voll von Tomatenpflänzchen, Paprika, Salat und anderem typischen Gartengemüse. Alles zum absoluten Sonderpreis, im Dutzend billiger. Und jedes Jahr fragt man sich aufs Neue:

Lernen die es nie?

Am 11.05.2014 war nicht nur Muttertag, der 11.5. war gleichzeitig der Startschuß für die sogenannten Eisheiligen.

Nun kann man natürlich über alte Bauernregeln vortrefflich streiten oder lamentieren, diese würden nach verschiedenen Kalenderreformen ohnehin nicht mehr zutreffen. Fakt ist allerdings, daß uns Mitte Mai regelmäßig ein Wetterphänomen eine ganze Reihe ziemlich unangenehmer Tage beschert. Kalte Nordwinde, Regen und Bodenfrost sind dabei ungefähr so überraschend wie der Termin des Weihnachtsfestes am 24.12.

Die 5 Eisheiligen

  • 11.05. Mamertus
  • 12.05. Pankratius
  • 13.05. Servatius
  • 14.05. Bonifazius
  • 15.05. Sophia

Das pünktliche Eintreffen kalter Winde zu Mamertus läßt einen aktuell fast vermuten, die menschengemachten klimatischen Änderungen dienten hauptsächlich dazu, alte Bauernregeln wieder nutzbar zu machen. Wikipedia erklärt uns ja, daß die Eisheiligen eigentlich eine Woche später kommen sollten, wegen des gregorianischen Kalenders und so. Wenn nun der Frühling aber wegen des Klimawandels eine Woche früher kommt, dann gleicht sich das scheinbar wieder aus. Zumindest in unseren Breiten war es gestern fürchterlich kalt und regnerisch, was den Muttertagsausflug allerdings erfreulicherweise nur wenig trübte. Glücklicherweise sind die modernen Höhlen ja beheizt und man kann bei gepflegter Raumtemperatur der Völlerei fröhnen.

Doch zurück zu den Eisheiligen. Schon meine Oma wusste zu berichten, daß vor der kalten Sophi, gesprochen Sofi, mit kurzem, betontem o und noch viel kürzerem i, das Pflanzen frostempfindlicher Gemüsesorten keinen Sinn hat. Diese Weisheit hatte sie von ihrer Großmutter übernommen, die sie wiederum von deren Großmutter erlernt hatte, und so weiter. In unserer Zeit scheint wiedereinmal alles anders zu sein, wir wissen eben alles besser. Gepflanzt wird nichtmehr wenn es sinnvoll ist, gepflanzt wird wenn Feinkost Albrecht Grünzeug zum Sonderpreis raushaut. Dann stehen die Gartenbesitzer in Doppelreihen auf den Discounterparkplätzen und beladen die frisch gesaugte E-Klasse mit unzähligen Containerpflänzchen, daß man meinen könnte, Deutschland sei ein Land von Gemüsebauern oder es gäbe kein Morgen mehr. In den folgenden Wochen darf man sich dann täglich vom guten Wuchs der frisch gesetzten Tomaten berichten lassen und schämt sich beinahe ob der mickrigen 5-10cm, die die Keimlinge auf der heimischen Fensterbank aufweisen.

Wenn alljährlich die zum Sonderpreis erworbenen Nachtschattengewächse spätestens an Bonifaz den Kältetod sterben, dann kippt die Stimmung allerdings recht gerne. „Das hätte ich jetzt aber nicht gedacht, daß es nochmal Frost gibt; wo es doch im April schon so warm war.“

Ja, als ob das jemals anders gewesen wäre.

Getoppt wird die frühjährliche Beratungsresistenz nur noch vom Schauspiel während der Reifezeit. Dann welkt die teure, weil doppelt erworbene, Gemüsepracht im Garten traurig vor sich hin. Schließlich ist der gemeine Deutsche zu dieser Zeit im Urlaub. Wenn man bedenkt, wieviele Discounter neben Pflanzen verstärkt auch Reisen anbieten, könnte man fast denken, es stecke ein höherer Plan dahinter. Anfang September wandern die letzten vergammelten Tomaten jedenfalls in die Biotonne und Mutti kauft doch wieder Foliengemüse aus Almeira.

Wie haltet Ihr es denn mit den Bauernregeln beim Gemüse auf dem Balkon oder dem Garten?

Autor: Popcorn

Popcorn kümmert sich in diesem Blog um alles, was mit Technik zu tun hat. Redaktionell betreut er Themen mit eher männlichem Bezug. Gefürchtet sind seine ausufernden und teilweise bissigen Kommentare zu aktuellen Themen.

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